1.10.08

niedrigschwellige politik

"Wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie sind". Das ist einer der Lieblingssätze politischer Mandatsträger. Dass sie sich damit etwas vornehmen, das bisher nicht einmal der Bahn oder den städtischen Verkehrsbetrieben gelungen ist, dürfte den wenigsten auffallen. Stattdessen stellen sie munter Vermutungen darüber an, wo sich "die Menschen" gerade befinden und wie sie sie am besten von dort "mitnehmen" können. Wohin auch immer.

So auch die Bundeszentrale für politische Bildung, die gerade zusammen mit der Firma "Grundy Light Entertainment" (ja genau, die Macher von "Deutschland sucht den Superstar") eine Comedy Show für "politikferne Jugendliche" entwickelt. Wo "politikferne" Jugendliche hingeführt werden sollen ist offensichtlich: zur Politik. Aber wo muss man sie abholen? Um dies herauszufinden hat die Bundeszentrale einen "Gesprächskreis aus Fernsehsachverständigen initiiert". Nach ausgiebigem Fernsehstudium entwickelten die Sachverständigen "die Idee eines niedrigschwelligen, comedy-orientierten Politiknachrichten-Formates (...) als verfolgenswerten Ansatz zur Erreichung der genannten Zielgruppe".

Die Bundesregierung beschreibt diesen Ansatz folgendermaßen:
"Es liegt eine Grobkonzeption des Sendungsformats vor (...). Als Format wurde die Erzählform der Sketch Comedy gewählt, die es zum einen erlaubt, mehrere Themen zu platzieren und zum anderen im Vergleich mit anderen Comedy-Formaten (Sit-Com u. a.) unter Jugendlichen auch die größte Akzeptanz hat. Als verbindendes Element der einzelnen Sketche soll eine 'Presenterin' fungieren, die in ihrem (fiktiven) Video-Blog, die Sketche anmoderiert und mit ihrer eigenen Meinung kommentiert. Diese Form der Kommunikation ist Jugendlichen vertraut und bei ihnen beliebt (myspace.com, schülerVZ.net, studiVZ.net). Die Sketche sollen die Lebenswirklichkeit der Jugendlichen mit politischen Themen verbinden, ohne dabei belehrend zu wirken."
Ein wissenschaftlicher Beirat der Bundeszentrale für Politische Bildung hat das Projekt schon begutachtet und dabei den "Weg über moderne und von Jugendlichen häufig genutzte Medien" gelobt. So sieht im Jahr 2008 die politische Willensbildung aus.

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