11.10.06

hofnarren

Berater sind die Hofnarren der Moderne ...

... sagt der Soziologe Peter Fuchs und hat damit sicher nicht ganz unrecht.
"Der Hofnarr hatte die Möglichkeit, alles zu äußern, was ihm in den Kopf kam. Er hatte also eine Lizenz zur Beliebigkeit, deren entscheidendes Prinzip die soziale 'Verunernstung' war, die sicherstellte, daß diese Kommunikation folgenlos für die primäre Differenzierungsform blieb. Am Ende des Mittelalters und im Beginn der Neuzeit wird die Sonderrolle des Hofnarren hoch alimentiert.

Die Beratung der Moderne hat die Verpflichtung, Alternativen zu konstruieren unter Ausblendung fundamental störender Alternativen. Das entscheidende Prinzip ist auch hier, daß die Kommunikation von Alternativen die Autopoiesis der Organisation nicht wirklich stören darf. Und natürlich: Die Sonderrolle des Beraters wird auch heute hoch alimentiert."
Beiden gleich ist also, dass Ihre Worte folgenlos bleiben. Der wichtigste Unterschied dürfte daher sein, dass es bei den Hofnarren mehr zu lachen gab.

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4 Comments:

Anonymous vasili said...

"Beiden gleich ist also, dass Ihre Worte folgenlos bleiben."

das gilt damals wie heute natürlich nur für den närrischen berater selbst, nicht für seine umwelt.

11/10/06 14:15  
Blogger la deutsche vita said...

Guter Punkt. Gemeint ist aber, dass die Worte für den Berater und für die Organisation, die er berät, folgenlos bleiben. Vielleicht ist das nicht immer so, aber für die Mehrheit der Fälle - Politikberatung genauso wie Unternehmensberatung - dürfte es zutreffen.

11/10/06 14:25  
Anonymous vasili said...

bei der folgenlosigkeit für den berater bin ich uneingeschränkt bei dir, aber den zweiten teil möchte ich einschränken: denn auch wenn es sein mag, dass beratung mittel- bis langfristig keine messbaren folgen hat (da «strategie» ohnehin ein fremdwort ist, entscheidungen also höchstens noch nach taktischen gesichtspunkten getroffen werden und eventuelle folgen von entscheidung A durch die folgen der zwischenzeitlich getroffenen entscheidungen B bis M überlagert wurden), so sind die kurzfristigen auswirkungen doch oft (fast immer?) enorm. wer mal einen unternehmensberater im haus hatte, kann ein lied davon singen.

12/10/06 12:14  
Blogger la deutsche vita said...

Klar, wenn ein Unternehmensberater im Haus ist passiert etwas. Aber auf die Kausalitätsfrage gibt es immer zwei plausible Antworten. Vielleicht ist es tatsächlich so, dass die Unternehmensleitung das macht, was der Berater vorschlägt. Vielleicht ist es aber auch so, dass der Berater das vorschlägt, was die Unternehmensleitung sowieso schon lange machen wollte, sich bisher aber nicht traute. Der Berater ist dann nicht die Ursache des Wandels, sondern legitimiert nur einen Wandel, der sowieso irgendwann stattgefunden hätte. Wahrscheinlich ist es in der Wirklichkeit immer ein Mischung von beidem: ein bisschen nachträgliche Legitimation und ein bisschen Neues. Nicht zuletzt, damit sich der Berater nicht völlig zum Narren macht.

12/10/06 13:16  

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