9.11.06

unterschichtgeschichten

In der Zeit wächst zusammen, was zusammen gehört. Harald Martenstein mischt sich simultan in zwei aktuelle deutsche Debatten ein und zeigt, wie man mit einem Schlag den Verfall der deutschen Sprache stoppen und das Unterschichtproblem lösen kann. Sein Vorschlag: Der Begriff Unterschicht wird als Germanizismus ins Englische exportiert und die Unterschicht wird durch Zwangsabstieg der Oberschicht aufgemischt. Wie das funktioniert?
"Sozialer Abstieg macht die Leute fast immer netter und interessanter. Nur beim Abstieg von der Mittel- in die Unterschicht funktioniert es nicht. Wenn aber die Oberschicht direkt in die Unterschicht absteigen würde, dann hätten wir in Deutschland auf einen Schlag 10.000 nette, interessante Menschen mehr".
Natürlich kann man den Gedanken noch weiter spinnen. Die tiefergelegte Oberschicht würde zu einer Anhebung der Unterschicht führen. Dies würde auch der Sprache nicht lange verborgen bleiben, die dann - in Analogie zu den euphemistischen Hierarchiestufenbezeichnungen im öffentlichen Dienst - den Begriff "höhere Unterschicht" hervorbringen könnte. Allerdings dürfte das dabei entstehende soziale und sprachliche Vakuum unterhalb der "höheren Unterschicht" nicht lange vakant bleiben. Medien und Wissenschaft würden mit ziemlicher Sicherheit im bewährten Ping-Pong Verfahren eine neue gesellschaftliche Gruppe identifizieren, die dann den Platz der sprachlich ins Englische exportierten und sozial hochgestuften ehemaligen Unterschicht einnehmen könnte. Den Namen dieser neuen gesellschaftlichen Gruppierung könnte man vielleicht aus dem Englischen importieren, wo unsere ehemalige Unterschicht - wie Martenstein prophezeit - dann schon längst Karriere gemacht hätte: "Oh, Darling, I feel so unterschicht today".

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