11.6.07

deutsche zäune

Wer in der Sprache nur ein praktisches Kommunikationsmedium sieht, der irrt sich ganz gewaltig. Sprache ist vor allem geronnene Erfahrung, das Speichermedium jahrhundertealter Weisheit. Nehmen wir mal - einfach so - das Beispiel der deutschen Redewendung "einen Streit vom Zaun brechen". Sie bringt die Worte Streit und Zaun in einen kausalen Zusammenhang, der vom einfachen Nachbarschaftskonflikt bis zum G8-Gipfel in Heiligendamm tagtäglich eindrucksvoll bestätigt wird. Nun könnte man annehmen, dass es sich hierbei um ein universales Phänomen handelt. Wo ein Zaun steht ist der Streit nicht mehr weit. Aber ein Blick auf die französische Übersetzung belehrt uns eines Besseren: Einen Streit vom Zaun brechen heißt dort: "Chercher une querelle d'Allemand" - einen deutschen Streit suchen. Vertraut man der Weisheit der Sprache, dann war das, was sich in der letzten Woche am Zaun von Heiligendamm zugetragen hat, also ein typisch deutsches Phänomen. Von wegen Globalisierung!

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