30.5.06

weltmeisterliches

Deutschland ist Weltmeister ... Weltmeister in allem, nur nicht im Fußball. Dass unsere Wirtschaft chronischer Exportweltmeister ist, dürfte niemandem entgangen sein. Der weltmeisterliche Ausbau der Windenergie ist kaum zu übersehen. Auch im Murmeln, im Abhören und sogar im Roboterfußball lässt Deutschland alle anderen Länder hinter sich. Am unschlagbarsten jedoch sind wir im Nörgeln. Glaubt man den Stereotypen, so gehört das Klagen, Kritisieren und sich Beschweren seit jeher zur serienmäßigen Grundausstattung des Deutschen. Optimismus und Lebensfreude hingegen sind meist nur gegen einen deutlichen Aufpreis erhältlich. Schon vor 200 Jahren galt:
"Ein deutscher General, der eine Schlacht verliert, ist sicherer, Nachsicht zu erhalten, als einer, der sie gewinnt, glänzendes Lob einzuernten" (Mme de Staël, Über Deutschland).
Heute ist zwar vieles anders. Die Schlachtfelder vergangener Zeiten heißen jetzt Fußballstadien, aus Generälen wurden Teamchefs und verheerend ist allerhöchstens noch die Medienschelte nach einem zu lustlosen Auftritt der Mannschaften. Aber eines ist geblieben: uneingeschränktes Lob ist selbst nach packenden Erfolgen eine Seltenheit. Immer gibt es etwas auszusetzen. Genau dieselben unergründlichen psychischen Strukturen, die einen SpiegelOnline-Redakteur dazu veranlasst haben, seinen insgesamt positiven Artikel über die Eröffnung des Berliner Hauptbahnhofs mit der Überschrift "Erster Zug mit erster Verspätung" zu versehen, werden auch die öffentliche Resonanz auf das Spiel der deutschen Nationalmannschaft prägen. Nur ein Trost bleibt. Im Fall eines Misserfolgs kann unser Fußballgeneral auf Nachsicht hoffen. Falls er dann nicht schon im Flugzeug über dem Atlantik sitzt.

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