1.6.06

La Dolce FIFA

In jedem noch so schlimmen Durcheinander entdeckt man bei genauerem Hinsehen Regelmäßigkeit und Ordnung. So, oder so ähnlich, lautete die zentrale Botschaft der Ende der 80er Jahre kurzzeitig populären Chaostheorie. Was die Chaosforschung allerdings nicht wusste, wahrscheinlich auch gar nicht wissen wollte: zuviel Ordnung schlägt mindestens ebenso leicht ins Chaos um. Man braucht sich bloß die detaillierten Regeln der FIFA für den Kauf, Umtausch oder die Weitergabe von WM-Tickets anzusehen, um zu sehen wie leicht Überregulierung in heillosem Durcheinander resultieren kann.

Eigentlich sollte das komplexe Regelwerk helfen, die wenigen Eintrittskarten gerecht unter den vielen Fußballfans ("Mitgliedern der Allgemeinheit" im FIFA-Deutsch) zu verteilen und den Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt zu verhindern. Jetzt, acht Tage vor Beginn der WM, ist sein spürbarster Effekt eine allgemeinen Verunsicherung darüber, wer überhaupt als rechtmäßiger Karteninhaber gelten darf. Und spätestens wenn eine halbe Stunde vor Spielbeginn am Stadioneingang die Daten des RFID-Chip auf der Eintrittskarte nicht mit den Ausweisdaten des Ticketinhabers übereinstimmen oder das eine oder andere Lesegerät nicht funktioniert, dann - so ist zu vermuten - werden die sorgfältig ausgetüftelten Regeln in Durcheinander, Chaos und Regellosigkeit zerfallen.

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1 Comments:

Anonymous Rayson said...

"und den Weiterverkauf auf dem Schwarzmarkt zu verhindern"

Ich sehe nicht Lobenswertes darin, Marktprozesse künstlich auszuschalten.

2/6/06 00:10  

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