21.9.06

stop making sense

Der Politologe Franz Walter erklärt Spiegel-Lesern das Schwächeln unserer Volksparteien. Schuld daran, dass CDU und SPD zusammen derzeit weniger Prozente haben als die CSU in Bayern, sei ein "sinnentleerter Pragmatismus" in Politik und Parteien.
"Die Sicherheit von Sinn und Ziel ist verloren gegangen. Doch Sinn ist neben dem Drang nach Macht der primäre Treibstoff für den politischen Einsatz. Sinn ist die elementare Quelle für Engagement, Anstrengung, Leistung, Altruismus, Leidensfähigkeit, Solidarität, Ehrgeiz, Kreativität. Das alles wissen wir hinlänglich aus der Religionsgeschichte, der Philosophie, der modernen psychologischen Forschung".
Den klassischen Parteien konnte das natürlich nicht passieren, denn sie "hatten den Mörtel des die Gegenwart weit transzendentierenden Sinns" - was immer das und der gesamte Rest des Artikels auch heißen mag. Diesen Mörtel jedenfalls verrührt Walter dann im Rest seines Artikels mit ein paar wohlklingenden Allgemeinplätzen der Politiker- und Parteienschelte (der "Siegeszug der modernen Mediengesellschaft", das Verschwinden profilierter "Parteiintellektuellen", der "große Ausverkauf des programmatischen Denkens"), lehnt sich dann genüsslich in seinem Schreibtischstuhl zurück und sieht zu "wie Politik und Parteien implodieren".

Nachtrag: Der Spiegel-Text ist übrigens Teil eines längeren Aufsatzes mit dem Titel "German Desease", den Walter schon vor einem Jahr bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht hat. Kein Wunder, dass der "Mörtel des die Gegenwart weit transzendierenden Sinns" in der Zwischenzeit hart geworden ist und nicht mal mehr die Fugen der implodierenden deutschen Politik transzendiert.

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