15.9.07

die verona feldbusch der innenpolitik

Dummheit ist laut Wikipedia "das Unvermögen, aus Wahrgenommenem die richtigen Schlüsse zu ziehen". Allerdings ist nicht jeder, der dummes Zeug redet, auch wirklich dumm. Oft ist es sehr nützlich, sich dümmer zu stellen als man eigentlich ist. Verona Feldbusch hat es mit dieser Strategie im deutschen Werbe- und Showbusiness zu Geld und einiger Berühmtheit gebracht.
In der Politik scheint Wolfgang Schäuble nun denselben Weg gehen zu wollen.

Seine Thesen, das Internet sei eine "virtuelle und exterritoriale, zugleich aber reale und höchst gewalttätige Gegenbewegung zur westlichen Demokratie" und Plattformen wie second life machten "Menschen aus unserer Mitte" zu Extremisten und Mördern, lassen auf den ersten Blick auf das oben beschriebene Phänomen schließen: eine bemerkenswerte Unfähigkeit, aus Beobachtungen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Die ersten Reaktionen auf seine Äußerungen sprechen dann auch von "skurriler Logik" oder "wirren Äußerungen". Thomas Knüwer bringt die Kritik auf den Punkt:
"Es ist bemerkenswert, wie ein Mensch, dem viele Intelligenz bescheinigen - ich konnte sie bisher an keinem Punkt der aktuellen Diskussion ausmachen -, völlig unfähig ist, aktuelle Entwicklungen in seine Analyse einzubeziehen."
Unfähig also, aus Wahrgenommenem die richtigen Schlüsse zu ziehen. Aber ist Schäuble tatsächlich so dumm wie seine Kritiker vermuten? Jeder, der schon mal entfernten Kontakt mit dem "politischen System" hatte oder auch nur jemanden kennt, der schon mal was mit Politik zu tun hatte, weiß, dass "Unwissen" und "Dummheit" eines der geringsten Probleme in unseren Ministerien ist. Jeder Minister hat unendlich viele hochrangige Experten in seinem Haus und wenn das "hauseigene" Wissen nicht reicht, dann werden eben externe Forschungsinstitute beauftragt. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen machen unsere Minister von dem Fachwissen in ihren Ressorts auch tatsächlich Gebrauch. Nicht zuletzt dann, wenn sie sich eine Rede schreiben lassen.

Auch Schäuble tut das. Dass seine Rede bei der Konrad-Adenauer-Stiftung kein spontaner Einfall war, sondern minutiös vorbereitet wurde, erkennt man an Formulierungen wie dieser:
"Das Internet ist heute so etwas wie die universelle Plattform des heiligen Krieges gegen die westliche Welt. Es ist Kommunikationsmedium, Werbeträger, Fernuniversität, Trainingscamp und Think Tank der Islamisten zugleich."
So etwas fällt einem nicht spontan ein. Da haben Fachleute stundenlang herumgefeilt bis es perfekt war ... bis in den Satzrhythmus hinein.

Ob Schäuble intelligent ist weiß ich nicht. Aber dumm ist er bestimmt nicht. Vor allem seine dümmsten Äußerungen sind wohlüberlegt. Seine jüngste Warnung, ein terroristischer Atomschlag in Deutschland sei nur eine Frage der Zeit, ist das beste Beispiel dafür. Ähnlich wie sein Vorbild Verona Feldbusch stellt Schäuble sich in der Öffentlichkeit gerne mal dumm, um dann in seiner wirklichen Arbeit umso erfolgreicher wirken zu können.

Sein heimliches Motto lautet: "BMI - Da werden Sie geholfen".

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