21.2.08

wysiwyg

"Mondfinsternis: Deutsche sehen nur Wolken"
[Quelle: FAZ]

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18.2.08

chancengleichheit ...

... für Baumwoll- und Jutetaschen fordert der Bremer Umweltsenator Reinhard Loske und läutet mit dieser unerträglichen Banalisierung eines unserer wichtigsten sozial- und bildungspolitischen Postulate eine neue Runde im deutschen Hysterikerstreit ein.

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4.2.08

warum deutschland nur noch das ist, was es nicht nicht ist

Gibt es eine deutsche Identität? An dieser Frage scheiden sich seit langem die deutschen Geister. Die einen lehnen jede Form der nationalen Identität als niedrigen Nationalismus und dumpfe Deutschtümelei ab. Die anderen beklagen, dass es den Deutschen bisher nicht gelungen ist, sich auf ein paar positiv besetzte Symbole der kollektiven Identifikation zu einigen. Eine dritte Gruppe schließlich glaubt nicht an die These der fehlenden deutschen Identität. Sie sieht in jedem noch so schamhaft versteckten schwarz-rot-gelben Wimpelchen ein untrügliches Zeichen dafür, dass es auch hierzulande ein ganz eigenes Nationalbewusstsein gibt.

Der Einfachheit halber wollen wir die drei Gruppen als Moralisten, Realisten und Konstruktivisten bezeichnen. Der Moralist versucht uns zu überzeugen, dass die Welt so ist, wie sie sein sollte ... oder dass sie zumindest auf gutem Weg dahin ist. Der Realist stellt sich am liebsten breitbeinig dem Moralisten in den Weg und mahnt erhobenen Zeigefingers, dass die Welt fast nie so ist, wie sie sein sollte - und dass wir uns endlich damit abfinden sollten. Der Konstruktivist schließlich stellt Moralisten und Realisten gleichzeitig ein Beinchen und erklärt, dass es objektive Realitäten überhaupt nicht gibt und dass die Welt immer nur so aussieht, wie wir sie sehen wollen. Identität existiert dann nur als kollektiv konstruierte Identität ... oder eben nicht.

Wer nach dieser langen Vorrede noch nicht abgeschaltet hat, wird sich irgendwann leise fragen, wer von den Dreien denn nun Recht hat. Nun, die Antwort ist einfach: Alle drei haben Recht. Denn implizit, also zwischen den Zeilen, deuten alle drei Meinungen auf eine ganz besondere Form der deutschen Identität hin, die gerade in jüngster Zeit immer deutlicher zum Vorschein kommt: Die Identität durch Exklusion.

Kollektive Identität wird normalerweise als die Summe der gemeinsamen Merkmale einer Gruppe von Menschen definiert. Sie ist also das, was die Mitglieder eines Vereins oder die Bewohner eines Landes verbindet. Kollektive Identität beruht auf dem Prinzip der Inklusion, das heißt gemeinsame Eigenschaften werden als typisch deutsch, amerikanisch oder französisch hervorgehoben und durch einfache Symbole (Flaggen, Hymnen oder gemeinsamen Gründungsmythen) repräsentiert. Nun ist mit den traditionellen deutschen Tugenden - Pünktlichkeit, Fleiß und Gründlichkeit, um nur ein paar zu nennen - spätestens seit den Verbrechen des dritten Reichs kein Staat mehr zu machen. Gleichzeitig können neue, modernere Eigenschaften im Potpourri der Globalisierung kaum mehr einem einzelnen Land zugeschrieben werden. Eine Identifikation durch gemeinsame Werte und Eigenschaften fällt den Deutschen daher sehr sehr schwer.

Wenn aber eine positive Identität auf der Basis einer Reihe gemeinsamer Eigenschaften nicht möglich ist, bleibt nur ein Ausweg: Man definiert sich durch das, was man nicht ist oder nicht sein will. Und diese Form der negativen Identitätsbildung durch Ausgrenzung ist in Deutschland schon weiter fortgeschritten, als mancher annehmen möchte. So definieren sich die Deutschen immer häufiger dadurch, dass sie gegen etwas sind. Gegen Tierversuche, gegen Bürokratie, gegen militärische Interventionen oder gegen das Rauchen in der Öffentlichkeit. Das drückt sich nicht nur in der Werbung aus, wo fast nur noch mitgeteilt wird, was das jeweilige Produkt nicht ist (ohne Gentechnik, ohne Farb- und Konservierungsstoffe, ohne künstliche Aromen, strahlungsarm, ohne Zucker etc.), sondern auch in der Politik, wo Gebote immer mehr durch Verbote aller Art ersetzt werden. Dabei scheint der identitätsstiftende Gehalt eines Verbotes umso größer zu sein, je stärker es in die persönliche Privatsphäre eingreift. Verwundern muss das niemanden, denn nur wenn ein kollektives Verbot von jedem Einzelnen verinnerlicht wird, kann es identitätsstiftende Wirkung entfalten.

Wie sehr wir das Verbot als Identifikationsstifter schon verinnerlicht haben, kann man gerade in der urdeutschen Zeitschrift ADAC motorwelt nachlesen. In selbstgerechter Weltverbesserermanier hat sie ihre Leser befragt, was künftig in Deutschland beim Autofahren noch verboten werden müsse. Und anstatt sich über die absurde Frage zu wundern, antworteten die Leser fleißig und empörten sich über so unterschiedliche Dinge wie Zeitunglesen (über 90%), Rauchen (56%) oder laute Musik hören (ich hab leider vergessen wieviele Prozent dagegen waren). Nur das Bedienen von Navigationsgeräten soll während der Fahrt auch weiterhin erlaubt bleiben - lediglich 40 Prozent der Befragten wollten auch das verbieten.

In so einem Klima, in dem sozialer Zusammenhalt nur noch über möglichst sinnfreie Verbote erzeugt werden kann, verwundert es auch nicht, dass der Bremer Umweltsenator Reinhard Loske gerade in der Bild am Sonntag zu einem deutschlandweiten Verbot von Plastiktüten aufgerufen hat. Wenn man den Deutschen schon von weitem an seinen von zusammengeknüllten Jutesäckchen ausgebeulten Jacken- und Hosentaschen erkennt, so die unbestreitbare Logik, kann das nicht nur der Umwelt, sondern auch der deutschen Identität nur gut tun.

Moralisten, Realisten und Konstruktivisten werden diese Entwicklungen sicher völlig unterschiedlich bewerten. Aber dass die deutsche Identität heute nur noch eine Rest-Identität ist, also eine Gemeinsamkeit, die nicht positiv definiert werden kann, sondern erst dadurch zustande kommt, dass alles Unerwünschte sukzessive aus der eigenen Selbstbeschreibung ausgeschlossen wird, wird keiner von ihnen bestreiten. Irgendwie ist die Form der doppelten Verneinung, also dass Deutschland nur noch das ist, was es nicht nicht ist, ja auch eine typisch deutsche Denkfigur.

Nachtrag: Bei citronengras gibt es das perfekte Bild zu diesem Beitrag.

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1.2.08

kulturgut weihnachtsmarkt

"Die Bundesregierung plant derzeit keine konkreten Maßnahmen zum Abbau bürokratischer Lasten für den Betrieb von Weihnachtsmärkten."
[Aus der Anwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der FDP Fraktion im Bundestag, die sich große Sorgen um das "Kulturgut Weihnachtsmarkt" macht.]

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